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Artikel vom 09.09.2010


Ein Stück vom Kuchen
Zum Thema: Von der Leyen fordert höhere Löhne
Christoph Slangen
Ein kräftiger Schluck aus der Pulle, warum nicht? Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sympathisiert mit höheren Löhnen in der Aufschwungphase. Die Gewerkschaften werden es gerne hören. Die IG Metall hatte unlängst bereits das Ende der Bescheidenheit ausgerufen, die Stahlkocher versuchen es derzeit mit einer Tarifforderung von sechs Prozent durchzusetzen.

In der Tat gibt es gute Argumente für höhere Lohnabschlüsse in diversen Branchen. Die Arbeitslosenzahlen haben sich längst nicht so dramatisch entwickelt wie in der Krise befürchtet. Das Argument, erst einmal für Beschäftigungssicherheit statt höherer Löhne zu sorgen, sticht in den meisten Branchen nicht. Der derzeitige Boom im Export beschert vielen schon wieder Überstunden, Leiharbeiter werden eingestellt, dann auch Dauerarbeitsplätze geschaffen.

Immer noch gibt es einige Hunderttausend Kurzarbeiter, die Krise ist also noch nicht überall und vollständig ausgestanden ist. Fraglich ist auch, ob der Aufschwung seine Intensität behält und nachhaltig bleibt. Erste Anzeichen einer nachlassenden Exportdynamik sind Warnzeichen, die es zu berücksichtigen gilt. Doch ist es nachvollziehbar und begründet, wenn die Arbeitnehmer die Gunst der Stunde in Tarifverhandlungen nutzen wollen. Wo Auftragsbestand und Beschäftigungslage solide sind, sollten die Arbeitgeber mitziehen - sofern denn Tarifverhandlungen anstehen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Vorerst stehen nicht allzu viele Tarifverhandlungen in relevanten Branchen an. Und für den öffentlichen Dienst der Länder, der im Herbst in die Tarifrunde startet, gelten andere Regeln – schließlich muss die Schuldenbremse erfüllt werden. Insofern ist das Lob der Lohnerhöhungen derzeit einfach zu singen.
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© Nordkurier.de am 09.09.2010

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